-- Grundstück Nr. 9 (ehemaliges Rittergut) - evakuiertes KZ von etwa Mitte April bis Mai 1945 --
Etwa Mitte April 1945 trieben SS-Wachmannschaften rund 150 KZ-Häftlinge, aus Richtung Hellendorf (Bahratal I) kommend, nach Oelsen. Augenzeugen dieses Häftlingszuges berichten, daß man schon von Weitem das Schlurfen der Holzpantinen hörte. Die Häftlinge waren so entkräftet, daß sie kaum noch gehen konnten. Sie wurden in der Scheune des Grundstückes Nr. 9 untergebracht. Diese Scheune ist inzwischen wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Bei den Häftlingen handelte es sich um Italiener, Polen, Franzosen, sowjetische Staatsbürger, Zigeuner und auch Deutsche. 90 Prozent der Häftlinge waren als „Politische" gekennzeichnet (rotes Dreieck auf der linken Brustseite der blauweiß gestreiften Sträflingskleidung). Der Rest der Häftlinge waren Kriminelle bzw. „Arbeitsscheue" (grünes und schwarzes Dreieck). Der Ernährungszustand der Häftlinge war erschreckend. Das Mittagessen bestand oft aus Brennnesseln, Wasser und einer geringen Menge Kartoffeln. Oelsener Einwohner, die damals noch Kinder waren, erinnern sich daran, wie Häftlinge damals manchmal Regenwürmer auflasen, um sie zu essen. Trotz ihres schlechten Ernährungszustandes wurden die Häftlinge beim Bau von Panzersperren und bei anderen körperlich schweren Arbeiten eingesetzt. Obwohl die Sowjetarmee nur noch wenige Kilometer entfernt war und man bereits den Geschützdonner hören konnte, wur-den Häftlinge noch schwer mißhandelt. Es gibt erschütternde Augenzeugenberichte über das schwere Los dieser Menschen. Einige Häftlinge wurden von den Bewachern erschossen und an Ort und Stelle eingegraben. Nach dem Einmarsch der Sowjetarmee verblieben nur noch 15 bis 20 kranke Häftlinge im Ort. Sie wurden aus der Scheune in das ehemalige Arbeitsdienstlager (ebenfalls im Grundstück Nr. 9) verlegt und erhielten dort ärztliche Betreuung. Die Familien Peukert und Zimmermann übernahmen die Verpflegung. Die Schwerkranken wurden mit Pferdefuhrwerken nach Gottleuba in das Kliniksanatorium gebracht. Einige sind dort verstorben und auf dem Friedhof in Bad Gottleuba in einem Massengrab beerdigt worden (siehe Bad Gottleuba, Friedhof). Von den Häftlingen ist nur ein einziger Name bekannt: Adriano Ansaldi, geboren am 2.2. 1926 in Italien. Er ist auf dem Friedhof in Oelsen in einem Massengrab beigesetzt worden. Die Häftlinge befanden sich auf dem Todesmarsch vom Außenlager des KZ Flossenbürg, "Schwalbe III" in Porschdorf kommend.
Quelle: Ehrenmale, Gedenkstätten, Erinnerungsstätten und Mahnstätten der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandskampfes im Kreis Pirna, 2. Auflage, 1984
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