In Königstein mussten Häftlinge für den Geilenberg-Stab arbeiten, der die durch alliierte Luftangriffe stark zerstörte Treibstoffindustrie wieder aufbauen wollte. Die Fabriken sollten Untertage verlagert werden. Die Bauleitung hatte die Organisation Todt.
Aus dem aufgelösten Außenlager Böhlen des KZ Buchenwald wurden am 15.11.44 zunächst 210 Häftlinge nach Königstein verlegt. Sie wurden im Mittelgasthof Struppen untergebracht. Ihre Aufgabe bastand darin, ein Gefangenenlager auf dem Sportplatz Eselswiese zu errichten. So entstanden ca. 45 Rundzelte -sogenannte Finnenzelte -, Wirtschaftsbaracken und Wachunterkünfte. Dieses Lager mit dem Decknamen "Orion I" war mit Stacheldrahtzaun umgeben. Bis zur Fertigstellung der Wasserleitungen herrschten sehr schlechte sanitäre Bedingungen vor. Das Lager befand sich direkt an der Autostrasse und sollte zunächst als provisorisches Lager dienen. Am 28.11.44 brachte ein zweiter Transport ca. 780 Häftlingen zur Eselswiese.
Dieses Arbeitskommando, welches in dem Lager auf der Eselswiese untergebracht war, sollte an einem neuen, noch größeren Lager im Bereich Milchweg/Schwarzer Weg bauen. Dieses Lager, welches den Decknamen "Orion II" erhielt, bestand aus Holzbarraken und massiven Bauwerken, von welchen heute noch die Grundmauern zu sehen sind. Die Gebäude waren mit einem elektrischen Zaun, Wachtürmen und Suchscheinwerfern gesichtert. Es gabe eine Lagerstrasse, eine Küchenbaracke und eine Hauptwache. Ein Strafblock wurde nicht fertiggestellt, ein Strafbunker war aber unterirdisch vorhanden.
Die Häftlinge wurden dem Geilenberg-Stab unterstellt und dem KZ Flossenbürg zugeordnet. Sie mussten zum Aufbau einer Dehydrieranlage zur Herstellung von Flugzeugbenzin Stollen in den Steinbruch von Strand vorantreiben. Für das Projekt, welches die Bezeichnung "Schwalbe II" trug, wurden schon im Sommer 1943 Vermessungsarbeiten durchgeführt. Den Menschen teilte man mit, es solle dort eine Nudelfabrik entstehen. Ab Herbst 1944 wurden die Häftlinge am Steinbruch zur Arbeit gezwungen. Sie trieben 23 Stollen in den Fels. Die Braunkohle-Benzin-AG, Werk Magdeburg (BRABAG) war Auftraggeber für die unterirdische Fabrikanlage. Auf dem Rückweg in die Lager mussten die Häftlinge häufig schwere Steine schleppen.
Als die Befreiung naht und sich das Deutsche Reich am Ende sieht, wurden die Häftlinge am 17. März 1945 in das Konzentrationslager Litomerice gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt transportierten die Deutschen kranke Zwangsarbeiter aus den zwei Lagern schon nach Litomerice. Die beiden Lager "Orion I und II" bestanden bis zum 2. April 1945.
Für das Projekt "Schwalbe II" wurden noch weitere Zwangsarbeiter eingesetzt: eine unbekannte Anzahl amerikanischer Kriegsgefangene aus dem Lager am Lilienstein (Sellnitz) und ungefähr 800 Personen aus dem Lager in Weißig (am Rauensteinweg) mit italienischen Kriegsgefangenen und sogenannten Ostarbeitern (Sowjets und Polen, die als Zivilpersonen gewaltsam nach Deutschland verschleppt wurden).
Eine Stele in der Stadt Königstein erinnert an die Häftlinge der Außenlager, auf der sie fehlerhaft als Außenlager des Vernichtungslagers Auschwitz bezeichnet werden.
Quellen:
Mitteilungsblatt Festung Königstein Heft 10
Gedenkstätte Flossenbürg
Benz-Distel: Der Ort des Terrors, Band 4
Der Kreis Pirna im 2. WK - Hugo Jensch
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