Auf dem Gelände des heutigen Rückhaltebeckens Buschbach befanden sich zwei Bauerngüter und die Gaststätte "Fichtenbaude". Sie stellten einen Ortsteil von Hellendorf dar. Im Zusammenhang mit dem Bau des Rückhaltebeckens Buschbach mußten diese Gebäude abgerissen werden. 1945 waren in den letzten Kriegswochen in der Scheune des Bauern Tiebel etwa 600 Frauen vieler Nationen untergebracht, darunter 25 Jüdinnen. Sie kamen vermutlich aus einem Lager in Dresden-Reick. Einige ältere Einwohner aus dem Ortsteil Markersbach können sich noch an die Ankunft des Häftlingszuges etwa im März 1945 erinnern. Die Frauen waren völlig entkräftet. An einer unübersichtlichen Stelle wagten zwei Häftlinge einen Fluchtversuch. Da sie jedoch körperlich vollkommen geschwächt waren, kamen sie nicht weit und für die Bewacher war es leicht, sie wieder einzufangen. Auf Grund der Aussagen einiger Langenhenhersdorfer Bürger müßte dieser Zug durch Langenhennersdorf gekommen sein. Es ist jedoch nicht gelungen, diesen Häftlingsmarsch weiter zurückzuverfolgen. Die Bewachungssoldaten waren zum Teil Verwundete, die nicht mehr kriegsverwendungsfähig waren. Außerdem wurden die Häftlinge von Aufseherinnen bewacht. Das waren meist junge Mädchen oder Frauen. Sie feierten Feste, während die Häftlinge hungerten. Die Verpflegung war völlig unzureichend. Wenn das Essen einmal nicht langte, bekamen die Juden überhaupt nichts. Infolge der mangelhaften Ernährung und der schlechten Behandlung, besonders durch die Aufseherinnen, verstarben etliche Häftlinge. Tote lagen mitunter tagelang am Zaun, ehe sie begraben wurden. Etwa 8 dieser Opfer der faschistischen Barbarei wurden später in einem Massengrab auf dem Friedhof in Bad Gottleuba beerdigt (siehe auch Bad Gottleuba, Friedhof). Kurz vor dem Einmarsch der sowjetischen Armee, während der Operation Prag, wurden die Häftlinge nach Petrovice weitergetrieben. Durch Vergleich mit ähnlichen Vorgängen in der Umgebung kann man annehmen, daß der Versuch unternommen werden sollte, die Häftlinge noch nach Terezin zu bringen. Kurz vor dem Abmarsch der Häftlinge befahl die Lagerleiterin die Einwohner des Ortsteiles Fichte zu sich und forderte von ihnen, daß sie auf keinen Fall irgendwelche Aussagen über die Vorgänge in diesem KZ-Lager machen dürften, sonst würde es ihnen schlimm ergehen. Der Häftlingszug kam jedoch nicht mehr weit. In Petrovice geriet er in einen Tieffliegerangriff. Das Aufsichtspersonal ergriff die Flucht und für die Frauen aus dem KZ Fichte war damit die Stunde der Freiheit gekommen. Es ist kein einziger Name eines Häftlings bekannt. Ebenfalls nicht, wohin die Häftlinge gingen und ob es noch Überlebende gibt.
Quelle: Ehrenmale, Gedenkstätten, Erinnerungsstätten und Mahnstätten der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandskampfes im Kreis Pirna, 2. Auflage, 1984
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